oder: Fischers Fritz fischt frischen Schinken..

Wenn man an einem Kochwettbewerb teilnimmt, stellt man schon mehr oder weniger den Anspruch an sich selbst zu gewinnen. Jedenfalls geht es mir so – die coole ‚Dabei-sein-ist-alles‘-Mentalität kann ich vermutlich nicht mal nach außen authentisch vortäuschen.
Aber alles auf Anfang…

Classic meets Creativity‚ war das Motto des von Grana Padano und Prosciutto Di San Daniele ins Leben gerufenen Rezept- und Kochwettbewerbs. Es ging wohl darum, sich ein möglichst kreatives Schinken-Käse-Gericht auszudenken.
Wie sich im Nachhinein herausstellte wurde hier offenbar ‚Klassik‘ größer geschrieben als ‚Kreativität‘. Zu gewinnen gab es 1.000,- Euro. In der Jury sollten sein: Andreas Berndt (Tisch am Fenster), Anna Sgroi und Sante de Santis.

Es war Mitte Dezember (Einsendeschluss war der 31.12.) und wir waren gerade in der Karibik, als ich plötzlich DIE Idee hatte: gefüllte Erdbeeren mit Polenta und umwickelter Rettich mit Schinken und Blätterteig. Ich fand meine Idee super, immerhin! Bei der Premiere meines Gerichtes durfte mein Freund kosten – eigentlich macht er das immer wenn ich etwas neues zusammenkoche. Da er den Teller ratzeputz leergegessen hat denke ich, dass er es ganz gut fand – zum Glück hat er vorher noch ein Foto davon gemacht, welches ich einreichen konnte. Die Idee und Optik scheinen die Jury (oder diejenigen die über das Weiterkommen entschieden haben) überzeugt zu haben, denn nur ein paar Tage später (am 05.01.) kam die ersehnte Mail: „Herzlichen Glückwunsch, du bist dabei!“.
Unglücklicherweise -und ich könnte heulen, wenn ich daran denke- ist Sante de Santis am 04.01. verstorben. Er war ein wirklich toller, unterhaltsamer Koch und ich hätte mich wahnsinnig gefreut, ihn kennenzulernen!
(In meiner Vorstellung las Sante gerade mein Rezept, als er den Herzinfarkt bekam – ist aber vielleicht etwas makaber.)
Am 18.01. sollte also das ‚große‘ Finale mit einem Jurymitglied weniger im Repertoire im Berliner Kochatelier ausgetragen werden:

‚DER KAMPF DER GIGANTEN gegen die Hobbyköchin‘

Kochatelier Berlin
Die „Arena“ des Wettkampfes…

Glücklicherweise hat mir vorher niemand gesagt, dass ich gegen 4 (Halb-)Profis antrete, denn sonst hätte ich mir vermutlich ganz kräftig in die Buxe gemacht.
Zwei Stunden hatten wir Zeit unsere Rezepte unter den strengen Augen der Jury (die haben keine Miene verzogen!), einer Vertreterin des Konsortium Prosciutto Di San Daniele und diverser Berufsschullehrer zuzubereiten und hübsch auf Tellern zu drapieren. Das Schwierigste für mich dabei war nicht das Kochen unter Beobachtung, sondern der Kampf mit den Kochutensilien der Kochschule – unfassbar wie unscharf Messer sein können! Davon bekamen meine Profikonkurrenten nichts mit, denn selbstverständlich hatten die ihr eigenes Zeug dabei. Hätte ich das gewusst.. naja.
Pünktlich vor Ablauf der Zeit war ich fertig, musste mein Anrichten aber herauszögern, da ich erst als drittes mein Gericht präsentieren durfte und die Jury über jedes Gericht unheimlich lange diskutiert hat. Also musste ich mein Essen warmhalten, was der Konsistenz nicht ganz so gut getan hat – aus knusprigen Erdbeerbällchen wurde Erdbeermatsch. Egal, immerhin war ich fertig… mit dem Gericht und mit den Nerven… und mit Rückenschmerzen. Da ich am ‚Kindertisch‘ arbeiten musste -einer Arbeitsfläche die nur eine handbreit höher als ein Dackel ist-, habe ich zwei Stunden in gebückter Haltung und mit offenem Fenster im Rücken verbracht. Aber ich will mich nicht beschweren, denn der frisch angeschnittene Prosciutto stand direkt neben mir und duftete herrlich! Mit jedem Atemzug eine frische Brise Schwein, sozusagen.

Mit meinem fertig angerichteten Gericht war ich trotz allem einigermaßen zufrieden (sah hübsch aus) und konnte es mit einem Lächeln der Jury präsentieren. Bereits während der Verkostung konnte man gut aus den Gesichtern lesen, dass es wohl nur so mäßig gut angekommen ist.

Statement!
Hauptsache cool aussehen…

Nachdem die Jury alle „Beiträge“ probiert hatte, kam die große Entscheidung. Also fast, denn vorher wurde noch jedes Gericht von der Jury einzeln analysiert und nach Frank Rosin-Art.. plattgemacht. Bähm, bähm, bähm! Dies falsch, das versalzen, da zu wenig, das zu roh.. Nachdem ich die erste Beurteilung gehört hatte, fingen meine Beine an zu schlottern und ich wurde gefühlt immer kleiner. Denn ich war als zweites an der Reihe. Aber, mein Urteil fiel -nachträglich betrachtet- relativ harmlos aus (vielleicht waren sie auch einfach nur nett, weil sie wussten dass ich’s nicht gelernt habe). Für den Sieg hat es leider dennoch nicht gereicht, den hat sich Takeshi (kennt jemand noch „Takeshi’s Castle“?!) geholt- Auszubildender im 2. Jahr im Fischers Fritz, DEM 2 Sterne Tempel von Christian Lohse. Am meisten gefreut hat sich jedoch nicht Takeshi, sondern sein Berufsschullehrer, der ihn wohl eher mehr als weniger unterstützt hat. Doch, ich gönne Takeshi den Sieg und die 1.000,-  Euro und hätte mich auch für jeden anderen gefreut – aber zugegeben: ich bin enttäuscht und rede mir ein, dass Sante De Santis mein Gericht sicher gemocht hätte.

Rückblickend betrachtet denke ich, dass ein Kochwettbewerb mehr Sinn macht, wenn die Teilnehmer einigermaßen gleiche Voraussetzungen haben.

Also: ‚Suche netten Sternekoch, der mein Kumpel wird und mich coacht!‘

PS: Hier gibt’s mein Rezept!